Jahresendrally – kommt sie oder ist sie abgesagt?

In der Vergangenheit kam es zum Ende des Jahres oftmals zu einem hohen Anstieg der Aktienkurse Dies ist statistisch belegt. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass professionelle Anleger (z.B. Fondsmanager, Vermögensverwalter oder Banken) durch Investments in den letzten Wochen des Jahres ihre Portfolios zum Stichtag 31. Dezember so gut wie möglich aussehen lassen wollen.

Daher werden Aktien der Unternehmen gekauft, die zu den Gewinnern des Jahres zählen. Dann sieht es so aus, als habe der professionelle Anleger aufs richtige Pferd gesetzt. Aufgrund des schlechten Börsenjahres 2018 hat der ein oder andere Fondsmanager das dieses Mal besonders nötig.

Hauptgründe der Börsenschwäche sind der Brexit, Sorgen um eine drohende Schuldenkrise in Italien, der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China und die Angst vor deutlich steigenden US-Leitzinsen. Der Dax liegt seit Jahresanfang rund zwölf Prozent im Minus, beim Euro Stoxx 50 sind es neun Prozent.

Ob es dieses Jahr noch zu einer Jahresendrally kommt, hängt auch stark davon ab, ob die o.g. Probleme kurzfristig gelöst werden können. Daher sollten wir uns dies nochmal im Detail anschauen.

1. Steigende US-Leitzinsen

Die Aussicht auf steigende Zinsen führt zu einem Anstieg der Renditen auf dem Anleihemarkt. US Staatsanleihen werden damit attraktiver. Die Investoren legen einen Teil des Geldes daher nicht mehr in Aktien, sondern in Anleihen an. Auch wenn Donald Trump die US Notenbank Fed dafür start kritisiert hat, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Fed bei ihrer Geldpolitik davon beeinflussen lassen wird. Sie wird sie – wenn nötig – auch gegen den Willen des US-Präsidenten durchsetzen. Nur so kann sie glaubwürdig bleiben. Andernfalls drohen wohl noch größere Unsicherheiten am Aktienmarkt.

2. Brexit

Die Staats- und Regierungschefs der verbleibenden 27 EU-Staaten haben das Brexit-Vertragspaket angenommen. EU-Ratspräsident DOnald Tusk teilte dies heute auf Twitter mit.

Damit ist ein großer Schritt für den geordneten Brexit getan. Jetzt muss die britische Regierungschefin Theresa May im Dezember die Zustimmung des britischen Parlaments für den Deal einholen. Doch bislang ist unsicher, ob sie dort eine Mehrheit gewinnen kann.

3. Italien

Ein erhöhtes Risiko für den Euroraum geht von Italiens Finanzpolitik aus. Die populistische Regierung treibt die Ausgaben – trotz Warnungen aus Brüssel – weiter in die Höhe.

Je länger dieser Konflikt anhält, desto größer wird die Nervosität der Anleger – vor allem da der italienische Bondmarkt der drittgrößte der Welt ist. Lenkt die Regierung in Italien nicht ein, steigen die Renditen italienischer Anleihen. Dies birgt das große Risiko, dass eine Schuldenkrise ausgelöst wird. Die zehnjährigen italienischen Anleihen rentieren aktuell bei etwa 3,4 Prozent, rund drei Punkte über vergleichbaren deutschen Anleihen…

Ich denke, dass die italienische Regierung bis zur anstehenden Europawahl Mitte Mai 2019 ihren harten Kurs beibehalten wird. Sie hofft, sich damit profilieren zu können. Die italienische Regierung ist jedoch nicht dumm, sondern berechnend. Nach den Europawahlen erwarte ich ein Einlenken und eine Lösung des Konflikts.

4. Handelsstreit

Die USA haben bereits Sonderzölle auf chinesische Waren im Milliardenbereich verhängt. China reagiert mit Abgaben auf US-Güter – ebenfalls in Milliardenhöhe.

Fakt ist aber auch, dass die USA auf Importe aus China angewiesen sind. Es gehört zur Art der Politik eines Donald Trump, zunächst große Drohungen und Schreckensszenarien auszusprechen. So möchte er die Verhandlungsposition der USA stärken und sich somit einen Vorteil verschaffen. Am Ende des Tages dürte auch Donald Trump an einer Lösung des Konfliks interessiert sein.

Und so überrascht es wenig, dass der US-Präsident anklingen ließ, den Handelsstreit mit China bald aus der Welt schaffen zu wollen. Ein neues Handelsabkommen solle mit China zum Treffen der G20-Staaten Ende November verhandelt und abgeschlossen werden.

Ich rechne daher damit, dass sich dieses Thema in den kommenden Monaten deutlich entspannen wird.

Fazit

Ich blicke eher positiv in die kommenden Wochen und Monate. Vor allem die sich abzeichnende Entspannung beim Handelsstreit zwischen den USA und China könnte die Märkte zum Jahresende befeuern. Es wird daher aus meiner Sicht noch eine Jahresendrally geben. Diese dürfte aber aufgrund der anderen offenen Probleme nicht massiv ausfallen. Anleger können aber Hoffnung auf wieder steigende Kurse haben.

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