Anlagestrategien für Anfänger

Teil 1 – Die Dividendenstrategie

Gerade für diejenigen, die sich bislang noch nicht in großem Umfang mit dem Kauf von Wertpapieren (z.B. Aktien) beschäftigt haben, ist es sinnvoll, eine Anlagestrategie zu definieren und dieser zu Folgen.  Wie du deine ersten Aktien kaufst, habe ich vor kurzem erklärt.

Vorteil einer Anlagestrategie

Aktienkurse steigen – Aktienkurse fallen. Das ist ganz normal. Allerdings kann ich euch aus eigener Erfahrung berichten, dass man bei fallenden Kursen zunehmend nervös wird. Wir befürchten, dass wir unser mühsam erspartes Geld verlieren. Bei steigenden Kursen neigt man entweder dazu, die Aktien zu früh zu verkaufen um den (kleinen) Gewinn einzufahren. Andere wiederum neigen zur Gier und verkaufen die Aktien zu spät.

In kurz: Wir handeln emotional!

Wenn wir hingegen einer klar definierten Anlagestrategie folgen, können wir emotionale Schnellschüsse ausschließen und so unseren Gewinn maximieren.

Im Rahmen einer kleinen Serie möchte ich euch daher in den kommenden Wochen bewährte Anlagestrategien vorstellen. Diese Anlagestrategien wurde teilweise von bekannten Investoren entwickelt und haben sich in der Praxis mehr als bewährt. Starten wir mit der ersten einfachen Strategie – der sog. Dividendenstrategie.

Was ist überhaupt eine Dividende?

Die Dividende ist eine Gewinnausschüttung eines Unternehmens. Die Dividende kann daher von Jahr zu Jahr schwanken kann – je nachdem, wie erfolgreich das Unternehmen gewirtschaftet hat. Die Dividende wird üblicherweise einmal pro Jahr an die Aktionäre gezahlt. 

Wichtige Kennzahl für dich: Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs ist (d.h. Ausschüttung je Aktie geteilt durch den Aktienkurs). Je höher sie ausfällt, desto höher ist die Ausschüttung, die du prozentual für dein Geld bekommst.

Beispielhafte Dividendenrenditen 2017:

  • Daimler: 5,16%
  • Deutsche Telekom: 4,4%
  • Allianz: 4,0%
  • Nestlé: 2,51%
  • SAP: 1,43%
  • Apple: 1,41%

Beispiel: Wenn du im Jahr 2017 1.000 EUR in Daimler Aktien investiert hast, wurde auf deinem Konto eine Dividende von 50,16 EUR gutgeschrieben.

Man kann also ohne groß zu spekulieren und Aktien zu (ver-)kaufen jährlich Dividenden und somit eine schöne Rendite erzielen.

Der sog. Dividendenabschlag

Wichtig ist aber auch zu wissen, dass es die Dividende nicht „on top“ gibt. Der sogenannte Dividendenabschlag führt nämlich dazu, dass der Aktienkurs, sobald die Dividende ausgeschüttet wird, um den ausgeschütteten Betrag fällt. Das ist auch logisch, was dir das folgende Beispiel zeigt:

  • Stelle dir vor, wir haben zwei identische Aktien. Beide Aktien notieren zu einem Kurs von jeweils 100 EUR. 
  • Aktie 1 schüttet einen Gewinn iHv. 5% an die Aktionäre aus.
  • Aktie 2 nimmt keine Ausschüttung vor.

Folge:

  • Der Aktienkurs von Aktie 2 bleibt damit unverändert bei 100 EUR. Die Gewinne verbleiben im Unternehmen.
  • Der Aktienkurs von Aktie 1 fällt nach der Ausschüttung um die ausgeschütteten 5 EUR und liegt dann bei 95 EUR, da im Unternehmen 1 nun weniger Geld vorhanden ist als in Unternehmen 2.
  • In beiden Fällen haben die Aktionäre nach der Ausschüttung den gleich Wert im Depot: Aktie 1 hat einen Wert von 95 EUR, zusätzlich haben die Aktionäre 5 EUR Cash auf dem Konto (Gesamtwert 100 EUR). Aktie 2 bleibt unverändert bei 100 EUR.

Wo liegt dann eigentlich der Vorteil von Dividendentiteln?

  1. Unternehmen, die regelmäßig hohe Gewinn an ihre Aktionäre ausschütten, sind erfolgreich und etabliert. Sie haben bewiesen, dass sie gut wirtschaften. Hohe Dividenden können also ein Indikator für wirtschaftlichen Erfolg sein. Im Gegenzug dazu können beispielsweise Start-ups und jüngere Unternehmen in der ersten Jahren oftmals nichts an die Aktionäre ausschütten, da sie schlichtweg keine Gewinne, sondern Verluste einfahren.
  2. Dividenden stellen regelmäßiges passives Einkommen dar. Ohne etwas zu tun bekommst du die Dividendenzahlungen auf dein Konto. Im Gegensatz zu Gewinnen aus Aktienverkäufen fallen hierbei üblicherweise keine Transaktionskosten an.

  3. Wenn du auf Dividendentitel setzt, bedeutet dies zugleich, dass du langfristig investiert bist und nicht ständig Aktien (ver-)kaufen musst. Warum eine langfristige Aktienanlage oftmals die beste Rendite bringt, hatte ich bereits kurz in einem vorherigen Beitrag angesprochen.

  4. Anleger, die auf dividendenstarke Aktien setzen, können entspannter und krisenresistenter als „normale“ Anleger sein. Auch wenn die Aktienkurse mal wieder fallen, erhält der Dividenden-Anleger regelmäßig sein passives Einkommen (ggf. aber etwas weniger bei einer wirtschaftlich angespannten Lage…).

Kling gut, aber gibt es auch Nachteile?

Ja, die gibt es und ich möchte sie nicht verschweigen.

  1. Transaktionskosten bei Reinvestition: Die Frage ist, was du mit den regelmäßig erhaltenen Dividenden machen möchtest. Sofern du diese zur Bestreitung deines Lebensunterhaltes nutzt und nicht reinvestierst, dann fallen auch keine zusätzlichen Kosten an. Möchtest du aber das Geld wieder anlegen, musst du mit Transaktionskosten rechnen. Es macht beispielsweise keinen Sinn, eine erhaltene Dividende von 10 EUR zu reinvestieren, wenn dies 5 EUR Transaktionskosten verursacht. Möchtest du erhaltene Dividenden direkt wieder anlegen und somit vom Zinseszinseffekt profitieren, kann sich für dich ein auf Dividendentitel spezialisierter ETF lohnen.
  2.  Risikostreuung: An der Börse gilt immer, dass man nicht alles auf eine Karte setzen sollte. Sofern du nur Dividendentitel in deinem Depot hast entgeht dir ggf. die Chance, auch von Wachstumsunternehmen zu profitieren, die vielleicht derzeit noch keine Dividenden zahlen, aber ein großes Potential haben (auch Apple war mal ein Start-up).

Fazit: Für wen ist die Dividendenstrategie sinnvoll?

Die Investition in Unternehmen, die regelmäßig hohe Dividenden auszahlen, ist sicherlich weniger riskant als viele andere Investitionen. Diese Unternehmen haben bewiesen, dass sie langjährig erfolgreich waren. Selbstverständlich solltest du aber auch schauen, ob diese Unternehmen auch in der Zukunft zu den Big Playern gehören.

Dividenden sichern dir ein regelmäßiges passives Einkommen. Die Strategie ist daher aus meiner Sicht vor allem für diejenigen geeignet, die nicht täglich auf steigende oder fallende Kurse setzen wollen.

 

 

 

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