Anlagestrategien für Anfänger Teil 5 – Passives Investieren mit ETFs

Im Vergleich zu anderen Ländern greifen deutsche Anleger bei der Geldanlage eher selten zu Aktien oder Aktienfonds. Während in den USA wohl jeder Zweite Aktien oder Aktienfonds hält, sind es in Deutschland derzeit nur knapp 15 Prozent.

Dass dies so ist, hat im Wesentlichen zwei Gründe:

  1. Aktien gelten als unsicher und riskant
  2. Es wird angenommen, dass man viel Zeit aufwenden muss, um erfolgreich mit Aktien handeln zu können

Die heute vorgestellte Anlagestrategie bietet jedoch eine Möglichkeit, mit überschaubarem Risiko und minimalem Zeitaufwand erfolgreich Vermögen aufzubauen.

Die Grundidee

Die Grundidee lautet, den Markt im Ganzen zu besitzen. In diesem Fall hätte man die bestmögliche Risikostreuung und würde insgesamt von der Marktrendite profitieren.

Selbstverständlich kann man natürlich nicht alle Aktien kaufen, die es gibt. Um den Markt nachzubilden ist dies aber auch nicht notwendig. Es ist ausreichend in einige ausgewählte Aktien zu investieren, die den Markt bestmöglich repräsentieren.

Diese Aktien braucht man nicht einmal selber zu suchen. Denn diese sind in sog. Börsenindizes enthalten. So besteht beispielsweise der deutsche Leitindex „DAX“ aus den 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften, die ihren Hauptsitz in Deutschland unterhalten.

Auch in den anderen Ländern gibt es solche Börsenindizes. So trägt zum Beispiel der Leitindex der USA, der die 30 größten Unternehmen der USA beinhaltet, den Namen „DOW JONES“. Andere bekannte Indizes sind der S&P 500 (ebenfalls USA), NIKKEI (Japan), FTSE (Großbritannien) oder der ATX (Österreich).

Als Privatanleger kann man durch den Kauf von Indexfonds oder ETFs (engl. Exchange Traded Funds) direkt in einen gesamten Index investieren. Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Indexes (beispielsweise des DAX) abbildet. Mit dem Erwerb eines DAX ETF-Anteils wird man somit zum „Aktionär“ aller 30 im DAX gelisteten Unternehmen.

Um Vermögen aufzubauen sollten die Fondsanteile langfristig gehalten werden (buy-and-hold). Dann handelt es sich um passives Investieren.

Warum langfristig?

Gerade für Anfänger sprechen im Wesentlichen zwei Gründe für einen langfristigen Anlagehorizont:

Spekulation

Wer kurzfristig Aktien oder Aktienfonds kauft und dann wieder verkauft, der spekuliert.

Sicherlich mag es den ein oder anderen erfahrenen „Trader“ geben, der durch diese Strategie reich geworden ist. Die aktuellen Aktienkurse spiegeln selten den tatsächlichen Unternehmenswert wider. Anleger handeln oftmals nicht rational. Kauf- und Verkaufsentscheidungen werden nicht selten von psychologischen Faktoren beeinflusst. Daher kann es schon einmal vorkommen, dass man ein Unternehmen sehr günstig erwerben kann und es anschließend mit einem Gewinn wieder veräußert.

Es gibt aber viele Studien und Untersuchungen die belegen, dass dieses sog. „Day-Trading“ auf lange Sicht nicht zu einer wesentlich höheren Rendite führt. Außerdem gilt es zu beachten, dass man sich hierfür täglich mit der Börse beschäftigen muss, um gute von schlechten Investitionen unterscheiden zu können. Das sollte für den Privatanleger wohl eher nicht infrage kommen.

Langfristig führen die zukünftig erwarteten Produktivitätssteigerungen von Unternehmen zu steigenden Börsenkursen – nicht die Spekulation. Eine steigende Produktivität führt zu höheren Unternehmensgewinnen. Diese werden zum einen als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Zum anderen führen sie zu steigenden Aktienkursen. Die durchschnittliche Rendite am Aktienmarkt beträgt 7-11%.

Zinseszinseffekt

Wer langfristig investiert, profitiert von sog. Zinseszinseffekt. Denn mit Geld aus Dividendengewinnen können weitere Fondsanteile gekauft werden. Dies führt wiederum zu höheren Gewinnen aus Dividenden …

Je länger die Anlagedauer, desto stärker wirkt sich der Zinseszinseffekt wirkt aus.

Risiko minimieren

Die Investition in Aktien oder Aktienfonds ist mit Risiken verbunden. Im Gegenzug bietet sie auch die Chance auf große Renditen.

Wer in Aktien oder Aktienfonds investiert sollte daher versuchen, das Risiko zu begrenzen. Dies gelingt durch Risikostreuung (Diversifikation). Wer sein Geld in die Aktie nur eines Unternehmens investiert läuft Gefahr, hohe Verlust zu erleiden, sollte sich dieses eine Unternehmen nicht so wie erhofft entwickeln. Wer hingegen 30 Aktien in seinem Depot hält, kann die Schwäche eines Unternehmens ggf. durch die Stärke der anderen Unternehmen überkompensieren.

Nun möchte nicht jeder 30, 50, 100 Einzelaktien in seinem Depot haben. Diese große Risikostreuung erreicht man viel leichter: Nämlich durch die Investition in breit angelegte Indexfonds.

Kosten minimieren

Der Kauf von Einzelaktien oder Fondsanteilen ist mit Transaktionskosten verbunden. Wer 100 Einzelaktien erwirbt, hat logischerweise höhere Transaktionskosten als derjenige, der einen Fondsanteil kauft, der die Wertentwicklung dieser 100 Aktien abbildet.

Je geringer die Kosten sind, desto höher ist die Gesamtrendite.

Auf Fondsebene fallen wiederum Kosten für das Management an. Hier ist zwischen aktiv gemanagten Fonds und ETFs zu unterscheiden.

Bei einem aktiv gemanagten Fonds gibt es einen Fondsmanager, der regelmäßig die Zusammensetzung des Fonds anpasst. Er analysiert die Märkte und triff Entscheidungen, welche Aktien gekauft oder verkauft werden. Dies ist aufwändig und kostet Zeit. Dieser Aufwand wird in Form von höheren Fondskosten auf die Investoren umgelegt.

Im Gegensatz dazu ist es bei ETFs gar nicht notwendig, ständig die Zusammensetzung des Fonds zu überprüfen – diese ist durch den zugrunde liegenden Index ja bereits vorgegeben. Die Kosten sind bei ETFs daher viel geringer als bei aktiv gemanagten Fonds.

Schließlich muss festgehalten werden, dass aktiv gemanagte Fonds – nach Abzug aller Kosten – nur selten besser abschneiden als ETFs…

Vorteile dieser Anlagestrategie auf einen Blick

  • Man profitiert von der attraktiven Rendite des Aktienmarkts (im Durchschnitt 7-11% pro Jahr)
  • ideale Strategie für Anfänger
  • langfristig sichere Anlagestrategie
  • geringer zeitlicher Aufwand
  • geringe Kosten

Welchen ETF soll man wählen?

Da es viele verschiedene Indizes gibt, stehen auch viele verschiedene ETFs von vielen verschiedenen Anbietern zur Auswahl. Mit welchen ETFs lässt sich die oben beschriebene Strategie nun am besten realisieren?

Die einfachste Möglichkeit den weltweiten Aktienmarkt mit einem ETF abzubilden, bietet der MSCI World Index. Dieser Index bildet die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern ab. Er gilt als einer der wichtigsten Aktienindizes weltweit und wird von dem US-amerikanischen Finanzdienstleister MSCI herausgegeben. Die einzelnen Aktiengesellschaften darin werden nach ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung gewichtet.

Sein Nachteil: Aktien von Schwellenländern (engl. emerging markets) fehlen darin.

Alternativ dazu kann man daher in den MSCI All Countries World Index (ACWI) Index investieren. Dieser enthält auch die Schwellenländer-Aktien entsprechend ihres Anteils an der weltweiten Marktkapitalisierung (rund 10 Prozent).

Wer es spezialisierter mag, der kann selbstverständlich auch in einen anderen ETF investieren. Hier kannst du nachlesen, welche ETFs ich in meinem Depot habe.

ETFs sind super, noch besser ist ein ETF – Sparplan

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte dies in Form eines ETF-Sparplans tun. Ein Sparplan bietet im Wesentlichen folgende Vorteile:

1. Einstieg mit niedrigen Sparraten

Um Vermögen anzusparen sind oftmals kleine monatliche Beträge ausreichend. Einige Broker ermöglichen einen ETF Sparplan bereits ab 25 Euro monatlich.

Damit ist es auch bei einem geringen Einkommen möglich, monatlich etwas für den Vermögensaufbau zu tun.

2. Geringe Transaktionskosten

Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds werden ETFs ohne Ausgabeaufschlag an der Börse gehandelt. Des Weiteren bieten viele Online Broker kostenlose ETF Sparpläne an. Das bedeutet, dass keine Transaktionskosten anfallen und der monatliche Sparbetrag in voller Höhe investiert werden kann.

Hierbei handelt es sich jedoch um temporär begrenzte Sonderkonditionen, durch die Transaktionskosten beim Kauf von ETF-Anteilen im Rahmen eines ETF-Sparplans entfallen. Selbst wenn diese Sonderaktion ausläuft, betragen die Transaktionskosten üblicherweise nicht mehr als 5 EUR pro Order.

3. Flexibilität

Der nächste große Vorteil von ETF-Sparplänen ist ihre große Flexibilität. Die regelmäßige Sparrate ist nicht fix, sondern kann monatlich angepasst werden.

Zudem kann der Sparrhythmus bei einigen Brokern von monatlich auf vierteljährlich oder halbjährlich umgestellt werden.

Zusätzlich ist es auch möglich, die Sparrate für eine Zeit ganz auszusetzen, wenn man zum Beispiel vorübergehend arbeitslos geworden ist.

Die Aussetzung ist nicht an bestimmte Ereignisse gebunden. Sie kann vom Anleger frei bestimmt werden.

4. Das Geld ist jederzeit verfügbar

Anders als bei vielen Versicherungsprodukten (z.B. einer Kapital-Lebensversicherungen) kann der ETF jederzeit verkauft werden. Deshalb können Anleger zu jedem Zeitpunkt – also auch kurzfristig innerhalb eines (Handels-)Tages – über ihr Sparkapital frei verfügen.

Es gibt keine festgelegten Vertragslaufzeiten und keine Kündigungsfristen, die einzuhalten sind.

5. Risikobegrenzung durch den sog. Cost-Average-Effekt

Zusätzlich trägt der langfristige Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt) bei einem Sparplan zu einer im Vergleich mit den meisten aktiven Investmentfonds überdurchschnittlichen Rendite bei.

Mit einem Sparplan kann man sich insbesondere das Auf und Ab an den Börsen zu Nutze machen. Sind die Kurse gerade niedrig, so erhalten Anleger viele preiswerte ETF Anteile. Sind die Kurse hingegen gerade hoch, so erwerben Anleger für die gleiche Sparrate weniger teure Fondsanteile. Am Ende hat man seine Fondsanteile zu einem günstigeren Durchschnittspreis erworben, als wenn jeden Monat eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen gekauft worden wäre.

Auf geht’s – Dein eigener ETF Sparplan

Fazit

Passives investieren mit ETF-Sparplänen ist aus meiner Sicht eine ideale Anlagestrategie für Anfänger. Auch ohne große Kenntnisse und ohne großes Kapital kann jeder – und ich meine wirklich jeder – mit einem ETF Sparplan Vermögen aufbauen. Anfänger können einen ETF auf den MSCI World oder den MSCI All Countries World

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